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Schweizerische Akademische Gesellschaft für Umweltforschung und Ökologie Société Académique Suisse pour la Recherche sur l'Environnement et l'Écologie Swiss Academic Society for Environmental Research and Ecology |
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Aktuelle Arbeitsgruppen Wissensaustausch I Transdisziplinäre Forschung I Bildung für Nachhaltige Entwicklung I Innovation für Nachhaltige Entwicklung I Global climate change and local action
Abgeschlossene Arbeitsgruppen Umweltforschung I IMEL I Institutionelle Entwicklungen in der Umweltforschung I Naturgefahren I x x Mitarbeit in den Arbeitsgruppen Wer sich für eine der Arbeitsgruppen interessiert, ist eingeladen, sich direkt bei den Verantwortlichen zu melden (vergleiche auch die aktuelle Liste des Vorstands). Verantwortlich: Patricia Fry Ausgangslage Wie kann das Wissen aus verschiedenen Bereichen der Gesellschaft genutzt werden, um mit Problemen wie dem Klimawandel, Naturgefahren oder der Verknappung der natürlichen Ressourcen umzugehen? Es ist klar, dass dazu Wissen, Know-how und praktische Erfahrungen sowie konkrete Handlungen unterschiedlicher Akteure aus Forschung, Verwaltung/Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft nötig sind, und dass dem gelungenen Wissensaustausch zwischen diesen Akteurgruppen grosse Bedeutung zukommt. Die AG Wissensaustausch hat sich im Jahr 2001 mit dem Ziel formiert, sogenannte Umsetzungsprobleme zwischen Wissenschaft und Praxis zu untersuchen, geeignete Methoden der Zusammenarbeit und der Kommunikation zwischen den Akteuren an diesen Schnittstellen zu suchen und weiter zu entwickeln. In Zusammenarbeit mit der Bodenkundlichen Gesellschaft Schweiz und dem Forum Biodiversität hat die AG Wissensaustausch in einer ersten Phase die SAGUF-Jahrestagung 2003 mit dem Titel „Vom Wissenstransfer zum Wissensaustausch“ organisiert. Im Zentrum der Tagung stand die Frage, welche Erkenntnisse und Erfahrungen des Wissensmanagements dem Boden- und Biodiversitätsschutz neue Impulse verleihen können. Die Referierenden waren sich einig, dass die Vorstellung, Probleme im Boden- und Biodiversitätsschutz mittels eines unidirektionalen Wissenstransfers von der Forschung hin zur Praxis anzugehen, unzureichend und wenig hilfreich ist (siehe auch Ravn 2004, Roux et al. 2006). Vielmehr geht es darum, dass alle Beteiligten ihr Wissen und ihre Kompetenzen einbringen und damit in einen Austausch kommen können. In einer zweiten Phase wurde im Jahr 2006 die AG erweitert mit Personen aus verschiedenen Institutionen, die sich mit Wissensaustausch beschäftigen (ETH, DEZA Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit, u.a.). Mit der Analyse der eigenen Erfahrung in zehn verschiedenen Fallbeispielen wurden Erfolgsfaktoren für den Wissensaustausch gesucht (vgl. Fry et al. 2008). Es zeigte sich, dass es auch für erfahrene WissensmanagerInnen in der AG Wissensaustausch schwierig ist, den Prozess des Wissensaustauschs und der Bedingungen, unter denen er gelingt, zu fassen und für Dritte greifbar zu machen. Aus dieser Analyse sind acht Thesen zur erfolgversprechenden Gestaltung von Wissensaustauschprozessen hervorgegangen, die demnächst veröffentlicht werden. Mit der Vorstellung einer ersten These zur Bedeutung der Kommunikationskompetenz wird die Thesendiskussion eröffnet (Zingerli et al. 2009). Die Thesen sollen 2009 an der td-Konferenz vorgestellt werden. In einer dritten Phase wurde im Jahr 2008 die AG mit Personen aus weiteren Institutionen erweitert (FiBL Forschungsinstitut für biologischen Landbau), ART Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon). Mit ihrer Hilfe sollen die Thesen überprüft und anhand neuer Praxisfelder weiter entwickelt werden. Dazu sollen geeignete Projekte an den Institutionen ausgewählt und durch die AG Wissensaustausch begleitet werden. Durch diese wechselseitige Reflexion erwarten wir einerseits eine Verbesserung und andererseits auch eine Vermittlung des Know-hows, wie man Austauschprozesse erfolgreich gestaltet. Die AG Wissensaustausch bietet eine Reflexionsmöglichkeit für interessierte Institutionen und Personen. Als mögliche Produkte sind Checklisten geplant oder auch Ausbildungsmodule bzw. Trainings zum Thema Wissensaustausch und „Reflexionsmärkte“. Im Jahr 2010 ist zudem ein Workshop zum Thema vorgesehen (Jahrestagung der SAGUF). Inhaltliche Hauptfragen Wie bringen wir Wissen aus Wissenschaft und Praxis für eine nachhaltige Entwicklung zusammen? Wie kann aus Information Wissen abgeleitet werden? Und wie kommen wir vom Wissen zum Handeln? Welche Methoden eignen sich, um den Austausch von Wissen zwischen verschiedenen Akteursgruppen aus unterschiedlichen Wissenssystemen zu ermöglichen? Welche Bedingungen und Erfolgsfaktoren lassen sich aus den Fallstudien ableiten? Lassen sich diese Erfolgsfaktoren auf andere Fallstudien übertragen? Wie kann das Know-how für einen gelungenen Wissensaustausch weiter vermittelt werden?
Verantwortlich: Antonio Valsangiacomo Vorgeschichte: Vom sagufnet zum td-net Ende 1999 fasste die SAGUF den Entschluss, ein Netzwerk für transdisziplinäre Forschung zu lancieren. Das sagufnet wurde im Januar 2000 gegründet. Im Januar 2003 folgte ihm das transdisciplinary-net (kurz td-net). sagufnet wollte ermöglichen, dass der Kontakt und die kontinuierliche Kommunikation unter den Forschenden in transdisziplinären Projekten fortgesetzt wird, dass Lehren aus den bisherigen Erfahrungen gezogen werden und dass es Fortschritte in transdisziplinärer Forschung gibt. Es verstand sich als ein Forum, in welchem die verschiedenen Ansätze transdisziplinärer Forschung einander in der Diskussion begegnen können. Transdisziplinäre Forschung ist hierbei weit gefasst und schliesst all jene Forschung ein, die sich disziplinübergreifend, problemorientiert, prozessorientiert, umsetzungsorientiert, praxisorientiert, anwendungsorientiert, oder partizipativ versteht. Die dazugehörige AG der SAGUF beriet und unterstützte die Geschäftsstelle beim Aufbau und der Weiterentwicklung des Netzwerkes. Dieses ist 2003 von td-net abgelöst worden (www.transdisciplinarity.ch). Das td-net soll die im sagufnet erarbeiteten Grundlagen ausbauen und mit einem entsprechenden Informationssystem, Veranstaltungen und thematischen Arbeitsgruppen zur Anlaufstelle für methodische und konzeptionelle Aspekte transdisziplinärer Forschung in den verschiedenen Problembereichen werden. Es soll die Entstehung transdisziplinärer Forschungsprojekte initiieren, diese unterstützen und die internationalen Verbindungen zur transdisziplinären community pflegen. Aktuelle Arbeiten Die Arbeitsgruppe Transdisziplinäre Forschung befasst sich mit transdisziplinären Konzepten in der Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung: Welche Auffassungen sind entstanden? Haben sie die Entwicklung der Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung beeinflusst? Was lässt sich davon in andere Kontexte übertragen? Diese Synthesearbeit dient als Grundlage für die Strategieentwicklung im Bereich transdisziplinärer Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung. Christian Pohl und Gertrude Hirsch Hadorn schlagen in ihrem Buch „Gestaltungsprinzipien für die transdisziplinäre Forschung“ Arbeitsinstrumente zur transdisziplinären Gestaltung des Forschungsprozesses vor. Die Strukturierungshilfen dienen dazu, die Komplexität eines Problemfeldes adäquat zu reduzieren, den vielfältigen Sichtweisen Rechnung zu tragen, die Forschung im gesellschaftlichen Umfeld einzubetten und die Konzepte und Methoden dem Verlauf des Forschungsprozesses anzupassen. In den vergangenen Jahren hat die Gruppe ihre Untersuchungen zur Gestaltung der transdisziplinären Forschung in der Umweltforschung weiter vertieft und sich speziell mit den besonderen Anforderungen, die am Beginn eines transdisziplinären Projektes stehen, befasst. Bei drei konkreten Fallbeispielen hat die Arbeitsgruppe in einem GAIA-Beitrag das Zustandekommen des transdisziplinären Ansatzes, die Rollen der beteiligten Akteure und die wissenschaftlichen Ziele und Forschungsfragen genauer unter die Lupe genommen (Wiek et al. 2007). Dabei kommt sie zum Schluss, dass ohne die Beteiligung von Akteuren von ausserhalb der Wissenschaften bereits im Stadium der Problemidentifikation Projekte eher auf Systemwissen anstatt auf Transformationswissen ausgerichtet werden. Weiter hat die Arbeitsgruppe Transdisziplinarität damit begonnen, die deutschen und englischen Wikipedia-Einträge zum Begriff Transdisziplinarität redaktionell zu bearbeiten. Ziel war es, eine systematische Übersicht zu bieten und insbesondere das Verständnis der Arbeitsgruppe zur Geltung zu bringen. Im Jahr 2008 arbeitete die AG zu den Beziehung(en) Wissenschaft – Gesellschaft im Rahmen transdisziplinärer Umweltforschung (Stauffacher et al. 2008). Seit diesem Jahr diskutiert die AG, wie im Rahmen transdisziplinärer Forschung die Qualität des erarbeiteten Wissens ausgewiesen wird. In einem ersten Schritt werden dazu auf der Grundlage eigener Projekte und einschlägiger Wissenschaftsliteratur Kriterien zur Messung der wissenschaftlichen Qualität von transdisziplinären Projekten erarbeitet. In einem zweiten Schritt sollen diese zu einem Untersuchungsraster verdichtet und auf aktuelle Projekte angewandt werden.
Bildung für Nachhaltige Entwicklung Verantwortlich: Michel Roux, Harry Spiess Die Arbeitsgruppe „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ konzentrierte sich 2009 ganz auf die Vorbereitung der Tagung „Fachhochschulen und Nachhaltige Entwicklung“ vom 8. September 2009, die als gemeinsames Projekt mit dem Netzwerk Nachhaltige Entwicklung – einer Initiative von Dozierenden der Schweizer Fachhochschulen – und mit der Unterstützung der Stiftung The Sustainability Forum und der Stiftung Umweltbildung Schweiz durchgeführt wurde. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg; knapp 60 Personen aus unterschiedlichen Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen, aber auch den Universitäten, haben sich in verschiedenen Workshops intensiv mit den Herausforderungen der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) auseinandergesetzt.
Innovation für Nachhaltige Entwicklung Verantwortlich: Andreas Kläy, Otto Smrekar Innovation ist ein erklärtes Ziel der Wissenschaftspolitik und insbesondere der Forschungspolitik. Dabei steht die Förderung der Konkurrenzfähigkeit der Wirtschaft zur Sicherung der Wohlfahrt in der Argumentation im Vordergrund. Nachhaltige Entwicklung ist gemäss Verfassung zusammen mit Wohlfahrt übergeordneter Zweck der Eidgenossenschaft und Kantone (BV Art. 2: „Sie fördert die gemeinsame Wohlfahrt, die nachhaltige Entwicklung, den inneren Zusammenhalt und die kulturelle Vielfalt des Landes.“). Heute bestehen verstärkte Bestrebungen, die Innovationswirkung der Forschungsprogramme im internationalen Konkurrenzkampf zu „optimieren“ (Wirkungsorientierung). Hier stellt sich die Frage nach der Kohärenz der Forschungspolitik in Bezug auf die doppelte Zielsetzung Wohlfahrt und nachhaltige Entwicklung. Nachhaltige Entwicklung erfordert Innovation, doch entstehen durch Innovation im Zeichen partikulärer oder kurzfristiger Interessen auch wesentliche Gefahren für eine nachhaltige Entwicklung. Die Arbeitsgruppe „Innovation für nachhaltige Entwicklung“, die ihre Arbeit 2009 aufgenommen hat, möchte hier in bewährter SAGUF-Tradition einen Prozess anstossen und mögliche Lösungsansätze entwickeln, mit denen Innovationen, die ein Potenzial zu einem Beitrag in Richtung nachhaltiger Entwicklung haben, gezielt unterstützt und gefördert werden können.
Global climate change and local action Verantwortlich: Michael Stauffacher Die SAGUF beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit Möglichkeiten und Herausforderungen der Modellierung im Umweltbereich. In einer ersten Phase unterstützte die Arbeitsgruppe „Interdisziplinäre Modelle zur Entscheidungsunterstützung in der Landschaftsnutzung“ den interdisziplinären Austausch zwischen Modellierern unterschiedlicher Herkunft, sowie auch den transdisziplinären zwischen Modellierungspraxis und Anwendungskontext (Förster et al. 2003). In einer zweiten Phase liegt der Fokus nun seit diesem Jahr auf der Klimaveränderung (besonders auf deren Auswirkungen) – dies weiterhin an der Schnittstelle zwischen modellbasierter Information und den Entscheidungen von Stakeholdern. Im Laufe der kommenden Monate soll ein Grundlagenpapier erstellt werden, das den aktuellen Stand der Forschung und Praxis in Bezug auf die Verwendung von Informationen über Klimaveränderung für lokales Handeln anhand eines konkreten Themen- bzw. Problemfeldes aufzeigt.
Verantwortlich: Michel Roux Der Vorstand der SAGUF stellte 2003-2005 die Situation der Umweltforschung Schweiz in den Mittelpunkt der inhaltlichen Diskussionen. In GAIA 2004 publizierte sie die Resultate und zur Vorbereitung der Jahrestagung 2005 erarbeitete sie ein Arbeitspapier mit Postulaten über thematische und konzeptionelle Schwerpunkte sowie institutionelle und finanzielle Rahmenbedingungen. Tagungsleiter und SAGUFVorstandsmitglied Michel Roux von der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL konnte zusammenfassend drei Postulate aus der Tagung festhalten:
Wie diese Postulate in die Entscheidungsprozesse der Politik, der Wissenschaft, der Hochschulen und der Forschungsinstitutionen einfliessen können, werden die Schritte zeigen, welche die SAGUF zusammen mit ihren Mitgliedern und Partnern unternimmt.
X Verantwortlich: Ruth Förster Die Arbeitsgruppe bildete sich im Jahr 2002. Im Zentrum des Interesses stehen interdisziplinäre, computergestützte Modelle, welche zur Entscheidungsunterstützung oder Planung für eine nachhaltige Landschaftsentwicklung beitragen. Die Wichtigkeit des Themas zeigt sich in unterschiedlichen, computergestützten Modellen, welche für die Generierung von System- und Transformationswissen in komplexen Problemsituationen erstellt bzw. eingesetzte werden, und in welchen die AG ein grosses Entwicklungspotential sieht. Die Landschaftsentwicklung wird dabei als potentielles Kernthema der künftigen Umweltforschung einbezogen, in dem speziell die inter- und transdisiplinäre Zusammenarbeit für das Gelingen von Relevanz ist. Die AG IMEL will mit Ihren Aktivitäten sowohl den interdisziplinären Austausch zwischen Modellierern unterschiedlicher Herkunft, als auch den transdisziplinären zwischen Modellierern und Anwendern in der Praxis initiieren und eine so Brücke zwischen Modellierungspraxis und Anwendungskontext schlagen - dies im Sinne der Förderung von anwendungs- und problemorientierter Umweltforschung.
Diese Arbeitsgruppe fokussierte sich im Jahr 1999 auf die institutionellen und ökonomischen Mechanismen zur Steuerung nachhaltiger Ressourcennutzung mit dem Ziel, institutionelle und ordnungspolitische Mechanismen bezüglich nachhaltiger Ressourcennutzung zu analysieren und zu bewerten sowie Ziele und mögliche Massnahmen zu bestimmen. Dabei wurden insbesondere auch Forschungslücken identifiziert. Dieses Thema bot die SAGUF während des SANW-Jahreskongresses am 14. und 15. Oktober 1999 in Luzern an. Aus diesem Veranstaltung resultierte die Publikation „Institutionen für eine nachhaltige Ressourcennutzung Innovative Steuerungsansätze am Beispiel der Ressourcen Luft und Boden“ (herausgegeben von Ingrid Kissling und Frédéric Varone, Rüegger, Chur 2000). Nach dieser hat die AG selbst keine neuen Projekte mehr angepackt. Ingrid Kissling und Andreas Kläy beteiligten sich an der Vorbereitung des Workshops „Alpen bedrohter Lebensraum“, welcher am diesjährigen Jahreskongress der SANW stattfand. Da sich die Mitglieder der Arbeitsgruppe zur Zeit stark in anderweitigen Projekten engagieren, werden im Moment nur mögliche Optionen für die Zukunft geprüft. Allfällige Interessenten am Themenbereich "Institutionen für eine nachhaltige Ressourcenutzung" sind gebeten, sich an Andreas Kläy zu wenden.
Publikationen:
Naturgefahren (Arbeiten abgeschlossen) Die Arbeitsgruppe wurde im Jahr 2000 gegründet und zielte auf erstes auf die Organisation einer Jahrestagung zum Thema Umgang mit Naturgefahren im Jahr 2002. Eine starke Antriebsfeder für die SAGUF spielte hierbei die ungenügende Zusammenarbeit zwischen Natur- und Geisteswissenschaften in diesem Bereich. Der Austausch von Forschungsansätzen und Forschungsresultaten fand kaum statt, obschon von beiden Seiten die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit oft beschworen wird. Hierzu musste zunächst Begriffe wie "Naturgefahren", "Naturkatastrophen" und "Umweltrisiken" aus unterschiedlichen disziplinären Sichtweisen reflektiert werden. Es ergibt sich dabei, dass die bisher vorherrschende Aufteilung der Forschungsschwerpunkte zwischen den Natur- und Sozialwissenschaften, wonach sich die Naturwissenschaften hauptsächlich mit den natürlichen Ursachen und Prozessen von unheilvollen Naturereignissen befassen, und die Sozialwissenschaften sich auf die gesellschaftliche Bewältigung von Naturkatastrophen beschränken, zu überdenken und überwinden ist. Publikationen:
Verantwortlich: Mathias Binswanger Vorgeschichte In einer ersten Phase befasste sich die Arbeitsgruppe Nachhaltige Entwicklung mit der Umsetzung der Agenda 21 auf Gemeindeebene. Die SAGUF gehört hier zu den Pionieren, die mit der lokalen Umsetzung der Agenda 21 ernst gemacht und ein Projekt in Illnau-Effretikon initiiert hat, das sich danach selbständig entwickelt hat. Die SAGUF setzte sich dafür ein, dass Konzepte, Methoden und Vorgehensweisen für eine lokale Agenda 21 auf Gemeindeebene erarbeitet, durch Beispiele dokumentiert und im Hinblick auf Forschungsfragen ausgewertet wurden. SAGUF-Mitglieder sind heute bei verschiedenen Aktivitäten zur lokalen Agenda 21, die vom Bund oder von Gemeinden initiiert werden, engagiert.
Die Nachhaltigkeitsdiskussion braucht heute neue Impulse. Mathias Binswanger hat seinen Ansatz 2006 unter dem Titel „Wachstum, nachhaltige Entwicklung und subjektives Wohlempfinden“ publiziert (Binswanger 2006). Der Beitrag spricht ein zentrales Dilemma an. Mehr Konsum- bzw. Luxusgüter führen nicht zu mehr subjektivem Wohlbefinden, wie dies die Werbung suggeriert. Die vom Wachstum abhängige Wirtschaft kann somit ihre eigentliche Aufgabe nicht mehr erfüllen. Stichworte: Tretmühlen der Wirtschaft, subjektives Wohlbefinden, Zeitökologie. Mit diesem Beitrag gelang es Mathias Binswanger, die Diskussion zu einem wichtigen Aspekt der Nachhaltigkeitsdiskussion neu zu beleben. In der Zwischenzeit haben Fred Luks und Maik Hosang das Thema in weiteren Beiträgen in der Zeitschrift GAIA aufgegriffen und aus ihrer Sicht kommentiert (Luks 2006, Hosang 2007).
Verantwortlich: Theres Paulsen Die Gesundheit der Menschen ist weitaus stärker vom Lebensstil, von der Ernährung sowie von den sozioökonomischen und ökologischen Lebensbedingungen geprägt als von der genetischen Veranlagung und dem Gesundheitsversorgungssystem. Auf dieser Tatsache beruht der oft postulierte Paradigmenwechsel von der Krankheitsorientierung zu einem präventiv und gesundheitsförderlich orientierten Gesundheitssystem. Auch der Schweizerische Bundesrat fordert dies in seiner Strategie Nachhaltige Entwicklung 2002. Im Widerspruch dazu hat er im April 2005 aber leider beschlossen, die Sektion Gesundheit und Umwelt des Bundesamts für Gesundheit auf Ende 2007 zu schliessen und das wirksame Aktionsprogramm Umwelt und Gesundheit schon nach der ersten Phase zu beenden. Betroffen von diesem Beschluss ist auch der WHO-Aktionsplan Kinder, Umwelt und Gesundheit, an dem sich die Schweiz ursprünglich beteiligen wollte. Die WHO schätzt, dass in Europa etwa ein Drittel der Krankheiten bei Kindern auf Umwelteinflüsse zurückzuführen ist (Baumann 2006). Die Ärzteschaft der Schweiz kritisierte den Bundesrat für diese Beschlüsse scharf. Aber auch in der Wissenschaft hat das Interesse an den Zusammenhängen zwischen der Umweltqualität und der Gesundheit abgenommen. Dabei handelt es sich um ein wichtiges Forschungsthema mit ständig neuen und noch vielen offenen Fragen, sagte die renommierte Sozial- und Präventivmedizinerin Ursula Ackermann-Liebich in einem Interview in GAIA 15/3. Die SAGUF will sich mit Nachdruck dafür einsetzen, dass die umwelt- und lebensstilbezogene Gesundheitsforschung zu einer Priorität wird. Im Spätherbst 2007 führte die SAGUF einen Runden Tisch zum Thema Umwelt und Gesundheit durch, an dem mit Beteiligten aus Forschung, Politik und Verwaltung ausgelotet wurde, mit welchen konkreten Massnahmen dieses Fachgebiet in der Schweiz gestärkt und wie das wichtige Anliegen wieder in die politische und gesellschaftliche Diskussion eingebracht werden kann. Für Inputreferate aus verschiedenen Blickwinkeln konnten Dr. Peter Straehl von der Sektion Luftreinhaltung des BAFU und Frau Prof. Dr. Charlotte Braun-Fahrländer vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Basel gewonnen werden. Ein ausführlicher Bericht über die Ergebnisse dieser Veranstaltung ist in GAIA 1/2008 veröffentlicht. Verantwortlich: Markus Maibach Die Entkoppelung der sozioökonomischen Entwicklung vom Verbrauch nicht erneuerbarer Energieträger und natürlicher Ressourcen ist noch nicht gelungen, trotz unbestrittener Erfolge durch technische Effizienzgewinne und Umweltschutzmassnahmen. Seit die Schwellenländer, allen voran China und Indien, die Volkswirtschaften der Industrieländer stark herausfordern, ist auch die Frage nach der gerechten Verteilung der natürlichen Ressourcen und Emissionen auf der Agenda der Staatengemeinschaft. In der Schweiz stehen die Biodiversität und die Landschaft durch die Entwicklungs- und Modernisierungsprozesse in Siedlung, Verkehr, (Gen-)Technologie, Wirtschaft und Tourismus unter Druck. Mit hinein spielen auch die Folgen der Klimaerwärmung und die damit verbundenen Grossrisiken. Die hier angesprochenen Umweltprobleme werden heute in der Politik zunehmend auch als Verteilungskonflikte wahrgenommen, die letztlich nur über neue Regelungen zu mildern sind. Verteilungskonflikte zu lösen ist eine Kernaufgabe der Politik. Da Verteilungskonflikte auch zwischen Schutz und Nutzung der Ressourcen, zwischen unterschiedlichen Nutzungsstrategien und beim Abwägen zwischen verschiedenen Schutzgütern entstehen, sollte sich die Umweltforschung ebenfalls damit befassen. Die SAGUF beteiligte sich daher an der Dritten nationalen Umweltbeobachtungstagung vom 13.9.2006, wo Generationenverträge für Biodiversität, Landnutzung, Klima und Bodenfunktionen aus ethischer, ökonomischer und juristischer Sicht beleuchtet wurden. Markus Maibach moderierte den Workshop zur Landnutzung. Welche Rolle der transdisziplinären Umweltforschung in der Diskussion um die Klimaproblematik und den Rückgang der weltweiten Erdölvorräte zukommt, haben Markus Maibach, Madeleine Guyer und Andreas Klaey in einem GAIA-Beitrag untersucht (Maibach et al. 2007). Darin kommen sie zum Schluss, dass Effizienzstrategien allein nicht genügen, um die komplexen Herausforderungen auf unterschiedlichen Verteilebenen zu meistern. Notwendig sind zusätzlich Suffizienzstrategien, da nur mit Sparen und einer Anpassung der Lebensgewohnheiten echte Verbesserungen erzielt und Effizienzpotenziale von erneuerbaren Energien ausgeschöpft werden können. Vor diesem Hintergrund ergeben sich neue Prioritäten für die inter- und transdisziplinäre Forschung, die auch die SAGUF in ihrer Arbeit im Rahmen der verschiedenen Schwerpunktthemen intensiv weiter verfolgen wird.
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| update: 2008 |